
Mit einer satten, zähflüssigen Gipsmischung ist gestern die fünfte Reliefform entstanden. Die Reaktionstemperatur beim Abbinden, war recht hoch, so dass auch die zweite gegossene Schicht schnell trocken und fest war, weswegen ich Form und Modell schon nach einer halben Stunde trennen konnte. Diese Arbeit erinnert mich an die Abendschule an der HfBK in Dresden, wo uns der Bildhauer Wolfgang Friedrich den Formenbau beibrachte.

Die einzelnen kleinen Felder meiner Reliefs führen auch das Einzelleben von Zellen, die von den benachbarten getrennt existieren. An ihren Rückseiten führen bislang unsichtbare Gitternetze, die sie mit anderen, entfernten Verwandten verbinden. Diese „neuronalen“ Strukturen bilden einen Teil der künftigen Objekte.

Die Jungen Menschen, mit denen ich manchmal auf den Bänken vor dem Atelier sitze, haben Fragen zur Entstehung der heutigen Grenzen von Deutschland. Und wenn ich ins Erzählen komme, erfahren sie auch etwas vom Bauhaus, das nach hundert Jahren wieder von Faschisten bedroht wird. Gestern berichtete ich ihnen von der Leistung Gorbatschows, ohne die die „friedlich-revolutionäre“ Wende in der DDR nie stattgefunden hätte. Die damals nach der D-Mark schrieen, schreien heute nach Remigration und schimpfen auf die Lügenpresse. Aber im Atelier herrscht Stille und Konzentration.
