
Der Luxus stellt sich ein, wenn ich im Atelier die Papiermasse gründlich durchknete, die Hand zwischen Festigkeit und weicher Formbarkeit bewege und sich Langsamkeit bei der Bearbeitung der Gitterobjekte einstellt. Das Modellieren, Montieren und die Bemalung sind in einer spannungsvollen Weise auch haptisch aufeinander angestimmt.

Ähnlich ist es beim Aufbau der Farbigkeiten während der Buchmalerei. Die Strukturschichten, die in das Papier geprägt und durch gegenfarbige Schraffuren hervorgehoben werden, schaffen eine räumliche Tiefe. Sie kann durch Verwischungen oder Wasserwolken vernebelt oder mit einer neutralen Farblasur teilweise abgedeckt werden. So entsteht die Energie zwischen Farbstrukturschichten im Hintergrund und den weichen Mischungen davor.

Auf der Schauspielbühne fand die Premiere zweier gegensätzlicher Tanzstücke statt. Thomas Bradley zeigte mit weiteren 5 Tänzerinnen und Tänzern, die die Company verlassen werden, ein reduziertes, geradliniges und herausforderndes Werk. Sehr gelungen fand ich das, genau richtig für meine Lust, an den Formen im Kopf mitzuarbeiten. Das zweite Stück vom Ballettchef Mandafounis war verspielter, leichter aber oberflächlicher. Erinnerungen an das Kinderspiel sollten gezeigt werden, was aber ohne den Bruch der unmöglichen Wiederholung dessen in späteren Lebensphasen, nicht glaubhaft gelingt. Getanzt ist das alles auf hohem technischem Niveau! Diese unterschiedlichen Handschriften verweisen auf die Spannungen innerhalb der Company, die im Vorfeld kolportiert wurden.
