Eigenleben

Die Buchmalereien, wenn sie für sich bleiben, auf den Seiten auf sich gestellt, entwickeln sie kleine Überraschungen nur für mich. Ich frage mich nach der Bedeutung dessen für ihre Gestalt. Manchmal werden sie vorausschauend schon in die Collagen eingefügt oder ihre Umrisse landen im Kopf bereits auf den Transparentpapierrollen. Manchmal erscheinen sie hinter den Augen vergrößert auf anderem Material. Damit entfernen sie sich von ihrer immanenten Selbstgenügsamkeit.

Am Abend lese ich Barbaras Übersetzung von „Bis hierhin war´s ein langer Weg“ von Jamie Attenberg. In dieser autobiografischen Lebensbeschreibung trifft sie in Frankfurt auf meine Frau. Sie schildert die Begegnung präzise, freundlich, achtungsvoll und zutreffend. Ich las es gerne.

Mit Anne rätsele ich um die Identität eines der Fitznerbrüder auf dem Foto im Haus Vaterland. Manches, was ich als selbstverständlich voraussetzte, stellt sie Infrage. Die Unwägbarkeiten aus der Familiengeschichte machen viele neue mögliche Stränge auf. Auf meinem Arbeitstisch liegt viel kleines Material, das ich bearbeite. Auch diese kleinen Dinge sind zuerst für mich da und für sich selbst. Ihr Eigenleben ist ihre Bestimmung.