
Begegnung auf der Tevesstraße vor dem Atelier: Ein Mann, etwas jünger als ich, gab sich durch seinen Tonfall als Thüringer zu erkennen. Er wohnte in Wahlwinkel in der Nähe des VEB Gummikombinat Thüringen, wo ich meinen ersten Beruf, Facharbeiter für Gummi und Asbest, erlernte und parallel dazu Abitur machte. Er lernte seinerseits im Kalibergbau in Sangerhausen und wurde dort einer politischen Straftat überführt.

Mit anderen Lehrlingen stellte er ein paar Thesen gegen den real existierenden Sozialismus auf. Deswegen wurde er angeklagt und verurteilt. Dass er nur eine Geldstrafe bekam, verdankte er einem älteren Genossen, der sich für ihn einsetzte. Um solche jungen Männer weiter zu drangsalieren, wurden sie erst mit etwa 30 Jahren zum Militärdienst eingezogen, wenn sie, nicht wie die Achtzehnjährigen, schon Familie und einen Beruf hatten. Dieses Schicksal blieb ihm erspart, weil zuvor die Mauer fiel.

Gestern beendete ich den zweiten Versuch des Formgusses des dritten Tanzreliefs. Die Form trocknete schnell und konnte bald von Modell getrennt werden. Diesmal lief alles glatt. Jetzt kann sie versiegelt werden und ist dann für die Vervielfältigung des Motivs bereit. Am Nachmittag grundierte ich gründlich und aufmerksam die Pappmachéreliefs und draußen setzte endlich der ersehnte Regen ein.
