Gravitationsräume

Mit den Jungs, die gestern zu mir ins Atelier kamen, rückte ich den Brombeerbüschen und dem wuchernden Sommerflieder am Bahndamm zuleibe. Mit allen verschiedenen Gartenscheren, dich ich habe, schnitten wir einen Keil in das Gesträuch. Das Schnittmaterial zerkleinerten wir und warfen es in die Feuertonne. Außerdem benutzten wir eine Baumsäge, deren Handhabung erst einmal eingeübt werden musste.

So verlängerte sich ein Weg, der über die Wiese geht, auf ein Betonbauteil zu, das im unteren Bereich eine viereckige Höhlung aufweist, die in einen geheimnisvollen, dunklen Raum führt, der nur etwas Licht durch ein Loch von oben bekommt. Wenn wieder schönes Wetter ist, können wir dort eine Aufenthaltsqualität schaffen, eine Fläche, auf der man was abstellen und einen Stuhl daneben platzieren kann.

Anne unterrichtet mich mit Fotos, Landkarten und Beschreibungen über ihre Wege auf den Spuren der Familie Fitzner. Spannend ist, wie sich ein Mosaik der Lebensumstände zusammensetzt, in dem seltsame räumliche Beziehungen auftauchen. So wohnte die Familie meiner Großmutter nur zwei Straßen entfernt von der Wohnung der Fitzners, mit dessen Spross Oscar, Oma Gertrud Wolf später in Berlin meinen Vater zeugte. Jetzt wohnt Anne mit ihrer Familie nur ein paar Straßen entfernt von ihrer Wohnung in der Altenbraker Strasse in Neukölln – Gravitationsräume.