Tagebücher

Am wichtigsten scheinen mir am Morgen die Buchmalereien zu sein. Ihre Entstehung ist vergnüglich. Selten genug spielt dabei der Gedanke an die Weiterverwendung in den Collagen, die am Vormittag folgen, eine Rolle. Der unruhige Schnitt quer über das Format, der dann folgt, teilt die Komposition in oben und unten. Beide Hälften können sich nun voneinander entfernen und den Blick in die Schichten der Vergangenheit freigeben.

Somit korrespondiert das Collagieren mit dem Vorgang des aktuellen Erinnerns an die Zeit vor 50 Jahren. In einer Fotoschachtel fand ich gestern ein Bild meiner Seminargruppe beim Kunstunterricht. An Namen kann ich mich kaum erinnern, aber wohl an das Wesen mancher Kommilitonen.

Die Tagebuchaufzeichnungen, die erst nach der Zeit an der Pädagogischen Hochschule Erfurt begannen, tragen noch etwas von der Stimmung in sich, die dort herrschte. Auf einem anderen Foto, das ich gestern fand, arbeite ich am Holzschnitt „Der Mövensturz“. Eine Aufzeichnung im Tagebuch gibt über das Datum Auskunft: 10.05. 1978. Damals schnitt ich die Bilderfolge zur „Deutschstunde“ von Siegfried Lenz. Parallel dazu studierte ich an der Abendschule der Kunstakademie und machte eine Lehre in der Tischlerei Grahl in Coswig, die es heute noch gibt.