17. Juni und 3. Oktober

Die rituellen Beschwörungen, die regelmäßig am 17. Juni vom Westradio nach Osten strömten, Die Filmaufnahmen der Demonstranten und der Panzer von 1953, verlagerten sich nun auf das heutige Datum. Aus den Schwarzweißaufnahmen wurden bunte Bilder von so genannten Heldengeschichten von 1989. Die Figuren erklimmen die Mauer oder werden auf Lkw-Ladeflächen mit Mikrofonen gehoben. In den Siebzigerjahren hat mich die Berichterstattung über das geschlossene Erziehungssystem noch beunruhigt.

Auch auf den Mauerfall reagierte ich noch emotional: „Jetzt kommen die alle rüber!“. Denn ich hatte diesen Staat auch verlassen, weil ich den Mentalitäten entrinnen wollte, die sich aus zwei aufeinander folgenden Diktaturen entwickelt hatten. Durch die gegenwärtige mental-politische Entwicklung im Osten wird das bestätigt. Passend dazu sahen wir gestern im Schauspiel die Premiere „Das Deutschlandherz“, die der Autor Bonn Park auch inszeniert hat.

Zwei Frankfurter Fußballprofis haben gestern auf dem Platz vor dem Atelier mit den Leuten vom Internationalen Bund gekickt. Dazu lief laute Musik, was das Spiel tänzerisch machte. Von zwei Teilnehmerinnen bekam ich Besuch. Der einen, die meinte, dass sie so viel in sich hat, das raus will, empfahl ich tägliche Krakeleien auf einem Telefonnotizblock. Dort wird sich irgendwann manifestieren, was raus will.